Hintergrund

Kein anderes Land wird im selben Maße mit Drogen assoziiert wie Kolumbien. Auch wenn die Zeiten scheinbar illustrer Drogenbarone wie Pablo Escobar längst vorbei sind, ist Kolumbien der größte Kokainproduzent der Welt geblieben (vor Peru und Bolivien). Ebenso wird weiterhin der weitaus größte Teil des Kokains für den weltweit größten Drogenmarkt USA produziert. Der 1999 […]

Kein anderes Land wird im selben Maße mit Drogen assoziiert wie Kolumbien. Auch wenn die Zeiten scheinbar illustrer Drogenbarone wie Pablo Escobar längst vorbei sind, ist Kolumbien der größte Kokainproduzent der Welt geblieben (vor Peru und Bolivien). Ebenso wird weiterhin der weitaus größte Teil des Kokains für den weltweit größten Drogenmarkt USA produziert.

Der 1999 zwischen der US-Regierung und der damaligen kolumbianischen Regierung unter Präsident Pastrana beschlossene „Plan Colombia“ zielte in seiner ursprünglichen Version auf die Förderung des Friedens und die Beendigung der Gewalt im Rahmen der damals laufenden Friedensgespräche mit der FARC-Guerilla und beruhte auf der Ausgangsthese, dass die Gewalt im Lande „tiefe Wurzeln in der wirtschaftlichen Ausgrenzung und […] Ungleichheit und Armut“ habe.

Seine endgültige Fassung war deutlich stärker von us-amerikanischen Interessen geprägt und verlagerte den Schwerpunkt auf die Bekämpfung des Drogenhandels und die Stärkung des (kolumbianischen) Militärs. Als diese endgültige Fassung im US-Senat debattiert wurde, zeigte sich u.a. Senator Joseph Biden als führender Verfechter dieser härteren Strategie.

Heute kann dieser „Plan Colombia“ in jeder Hinsicht als gescheitert betrachtet werden:

Weder wurden substantielle Verbesserungen für die vom Kokaanbau abhängigen Kleinbauern ereicht, noch wurden die versprochenen Finanzhilfen für die Umstellung auf alternative Kulturpflanzen von der rechtsgerichteten Regierung unter Präsident Duque ausgezahlt.

Aber auch seine politischen und militärisch-strategischen Ziele hat der „Plan“ in all seinen Versionen verfehlt. Der Drogenkonsum in den USA sinkt mitnichten, die Anbauflächen von Koka haben sich vergrößert, nur die FARC-Rebellen wurden nach dem 2016 mit der kolumbianischen Regierung unter Juan Manuel Santos geschlossenen Friedensvertrag aus ihrer Position im Kokaanbau und -handel verdrängt und durch Paramilitärs ersetzt.

Stattdessen haben die zahllosen Militäraktionen, bei denen Kokaanbauflächen zerstört werden sollten, indem man sie aus großer Höhe mit dem Herbizid Glyphosat besprüht, massive Schäden verursacht, die bis heute andauern: Gesundheitliche Folgen bei der betroffenen Bevölkerung wie z.B. eine Häufung von Krebserkrankungen, erkrankte und verendete Nutz- und Haustiere, und schließlich vernichtete Ernten bei den vom Ertrag ihrer Subsistenzwirtschaft lebenden Familien sind die bittere Bilanz.

Zu allem Überfluss wurde in der Zwischenzeit mit „Boliviana Negra“ eine Kokasorte gezüchtet, die nicht nur resistent gegen Glyphosat ist, sondern auch davon profitiert, dass konkurrierende Pflanzen in ihrer Umgebung durch das Herbizid vernichtet werden.

Die einzig gute Nachricht nach mehr als zwei Jahrzehnten eines systemisch gescheiterten „Plan Colombia“ ist, dass der oberste kolumbianische Gerichtshof am 19. Januar 2022 diese Praxis des „Besprühens“ mit Herbiziden aus der Luft letztinstanzlich verboten hat.