Hintergrund

Als Vorläufer der Unabhängigkeitsbewegung entpuppte sich ausgerechnet ein Angriff der Briten auf Buenos Aires im Jahr 1806. Diese hatten sich nach dem Sieg in der Schlacht von Trafalgar ermutigt gesehen, eine Expedition nach Südamerika zu senden, um sich am Río de la Plata festzusetzen. Jedoch wurden sie letztlich von einer überwiegend kreolischen Armee zurückgeschlagen, nachdem […]

William Carr Beresford, General der britischen Expeditionstruppen, ergibt sich dem in spanischen Diensten stehenden Franzosen Santiago de Liniers. Dieser galt als Held der Wiedereroberung von Buenos Aires, wurde anschließend sogar vom Cabildo (eine Art Stadtrat) und der Real Audiencia zum Vizekönig des Río de la Plata ernannt, aber schließlich als Konterrevolutionär 1810 standrechtlich erschossen.

William Carr Beresford, General der britischen Expeditionstruppen, ergibt sich dem in spanischen Diensten stehenden Franzosen Santiago de Liniers. Dieser galt als Held der Wiedereroberung von Buenos Aires, wurde anschließend sogar vom Cabildo (eine Art Stadtrat) und der Real Audiencia zum Vizekönig des Río de la Plata ernannt, aber schließlich als Konterrevolutionär 1810 standrechtlich erschossen.

Als Vorläufer der Unabhängigkeitsbewegung entpuppte sich ausgerechnet ein Angriff der Briten auf Buenos Aires im Jahr 1806. Diese hatten sich nach dem Sieg in der Schlacht von Trafalgar ermutigt gesehen, eine Expedition nach Südamerika zu senden, um sich am Río de la Plata festzusetzen. Jedoch wurden sie letztlich von einer überwiegend kreolischen Armee zurückgeschlagen, nachdem sich der spanisch Vizekönig vergeblich um spanische Unterstützungstruppen bemüht hatte und schließlich ins Hinterland geflohen war.
Diese Erfahrung stärkte zum einen das Selbstbewusstsein der lokalen kreolischen Eliten und verstärkte gleichzeitig die Wut auf die spanische Kolonialmacht (Bild rechts: Charles Fouqueray (1869-1956), gemeinfrei, Quelle: Historisches Nationalmuseum, Argentinien via Wikipedia).

Vor dem Hintergrund und unter dem Eindruck der Napoleonischen Kriege in Europa, in deren Verlauf Spanien unter französische Herrschaft geriet, kam es in Buenos Aires 1810 zur so genannten Mai-Revolution. Diese mündete in der Bildung der ersten von der spanischen Krone unabhängigen Regierung, obwohl deren Regierungserklärung noch einen Treueeid auf den von Napoleon abgesetzten spanischen König Ferdinand VII. enthielt.

Getragen wurde diese weitgehend gewaltfreie Revolution vor allem von spanischstämmigen und kreolischen Kaufleuten, die sich durch die Behandlung des Hafens Buenos Aires durch die spanische Kolonialmacht benachteiligt sahen: Spanien besaß wie in allen Häfen seines Reiches ein Handelsmonopol. Da Buenos Aires aber weder Gold, Silber noch eine ansässige indigene Bevölkerung aufzuweisen hatte, die man hätte ausbeuten können, und die Gewässer zudem als Piraten verseucht galten, gelangten wesentlich weniger Schiffe mit begehrten Waren nach Buenos Aires als z.B. nach Mexiko oder Lima.

Darstellung der Vereidigung der ersten argentinischen Regierungsjunta am 25.Mai 1810 des chilenischen Malers Pedro Subercaseaux.

Vereidigung der ersten argentinischen Regierungsjunta am 25.Mai 1810

Insbesondere bei Kaufleuten, die ohne den Umweg über Spanien über englische Händler (Schmuggel-) Ware bezogen, war das Interesse am Freihandel und dem Bruch des spanischen Monopols groß.

Eine andere Gruppe war zwar auch für den Freihandel, wollte aber den Schutz der lokalen Produktion und Manufakturen beibehalten, während schließlich die von der spanischen Krone autorisierten Monopolhändler den Freihandel ablehnten, weil dann die legal eingeführten Produkte ihre Gewinne schmälern würden. (Bild links: Darstellung der Vereidigung der ersten argentinischen Regierungsjunta am 25.Mai 1810 des chilenischen Malers Pedro Subercaseaux. Quelle: Pedro Subercaseaux [Public domain], via Wikimedia Commons)

Als „pueblos originarios“ werden alle, zum Zeitpunkt der spanischen „Eroberung“ auf dem südamerikanischen Kontinent lebenden indigenen Gruppen und Völker bezeichnet.

Als „pueblos originarios“ werden alle, zum Zeitpunkt der spanischen „Eroberung“ auf dem südamerikanischen Kontinent lebenden indigenen Gruppen und Völker bezeichnet.

Wurden in den ersten Jahren die Beziehungen zu Spanien noch nicht vollständig abgebrochen, war es dann am 9. Juli 1816 so weit: Die Vereinigten Provinzen des Río de la Plata erklärten sich auf dem Kongress von San Miguel de Tucumán für unabhängig (Karte rechts: von pruxo, Kartenteile Küsten, Flüsse, Grenzen siehe: Natural Earth (EPSG 102032), abgeleitete Arbeit: rowanwindwhistler (Diskussion) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Da zu diesem Zeitpunkt Spanien jedoch das benachbarte Chile zurückerobert hatte, sah sich das Bündnis bedroht. Daraufhin führte der Gouverneur der Provinz Cuyo, José de San Martín, eine Armee in einer logistischen und militärischen Glanzleistung, die ihm einen vergleichbaren Ruf wie Napoleon oder Hannibal einbrachte, im Januar 1818 über die Anden, um die spanischen Truppen vom chilenischen Territorium zu vertreiben. Nach einer Reihe von Schlachten, unter denen die von Chacabuco und Maipú die entscheidenden waren, gelang dies auch.

José de San Martín überquert mit seine Armee die Anden

José de San Martín überquert mit seiner Armee die Anden

Dies machte José de San Martín zum Nationalhelden Argentiniens, ein Nimbus, den er mit der Befreiung des Vizekönigtums Peru, die ihm durch die Einnahme Limas und die Ausrufung der Unabhängigkeit Perus am 18. Juli 1821 gelang, festigte. (Bild links: Julio Vila y Prades [Public domain], via Wikimedia Commons)

Mit der Unabhängigkeit der Provinzen des Río de la Plata war noch lange kein argentinischer Nationalstaat geschaffen. Rivalitäten bestimmten das Verhältnis zu anderen Provinzen des Landes, die sich nicht der Dominanz des Überseehafens Buenos Aires beugen wollten. So standen den Vertretern eines zentralistischen Staates in den Großgrundbesitzern und Caudillos Föderalisten entgegen, die eine Staatsform nach dem Vorbild der USA befürworteten.

Hinzu kamen kriegerische Auseinandersetzungen mit Brasilien um die Region „Banda Oriental“, die 1828 mit der Unabhängigkeitserklärung der Republik Uruguay endeten.

Noch bis weit in die zweite Hälfte des 19.Jahrhunderts war die argentinische Geschichte von wechselnden Diktaturen, Allianzen und Bürgerkriegen geprägt.

Von der ersten Gründung der Argentinischen Republik im Jahre 1853 dauerte es fast zehn Jahre, bis sich 1862 schließlich auch die Provinz Buenos Aires dem neuen Nationalstaat anschloss.

Bartolomé Mitre

Nach landesweiten Wahlen wurde Bartolomé Mitre zum ersten Präsidenten der Republik gewählt. Er gilt im historischen Rückblick als derjenige Präsident, dem es gelungen war, eine durch innere und äußere Konflikte zerrüttete Nation zu vereinen und eine Ära des Friedens und des wirtschaftlichen Fortschritts einzuleiten. (Bild rechts: Unbekannt [Public domain], via Wikimedia Commons

Auch für das kulturelle Leben Argentiniens leistete Mitre einen entscheidenden Beitrag: Er war Gründer der Zeitung La Nación (1870) und der Argentinischen Akademie für Geschichte. Er schrieb Poesie und Prosa-Werke und übersetzte Dante und zahlreiche historische Studien.