Hintergrund

Die ‚Entdeckung und Eroberung’ der Gebiete des heutigen Argentiniens durch Spanier begann mit einer Reihe von Fehlschlägen: Als erster Europäer ging Juan Díaz de Solís, vom spanischen König als Nachfolger des verstorbenen Amerigo Vespucci eingesetzt, 1516 am Río de la Plata, den er für einen außergewöhnlich salzarmen Meeresarm hielt, in der Nähe des heutigen Punta […]

Die ‚Entdeckung und Eroberung’ der Gebiete des heutigen Argentiniens durch Spanier begann mit einer Reihe von Fehlschlägen:

Als erster Europäer ging Juan Díaz de Solís, vom spanischen König als Nachfolger des verstorbenen Amerigo Vespucci eingesetzt, 1516 am Río de la Plata, den er für einen außergewöhnlich salzarmen Meeresarm hielt, in der Nähe des heutigen Punta del Este an Land.

Einheimische, die ihn kurz darauf töten würden, beobachten den Landgang des Juan Díaz de Solís am Río de la Plata

Einheimische, die ihn kurz darauf töten würden, beobachten den Landgang des Juan Díaz de Solís am Río de la Plata

Da de Solís’ Expedition nur aus drei kleinen Caravellen bestand, war er überhaupt erst im Stande, in solch flachen Gewässern zu navigieren, was sich prompt rächen sollte: Kaum war er mit nur wenigen Matrosen an Land gegeangen, wurde er zusammen mit seinen Begleitern vermutlich von Guaraní getötet und der Legende nach verspeist… .Lediglich der Schiffsjunge Francisco del Puerto wurde verschont und blieb für Jahre, bis ihn die Expedition des Venezianers Sebastian Cabot 1527 bei einer Gruppe der indigenen Charrúa antraf. Del Puerto bestätigte Cabot die Existenz eines Silberreiches des „Weißen Königs“ flussaufwärts (Bild: Illustration aus dem späten 19.Jahrhundert von Ulpiano Checa (1860-1916) [Public domain], via Wikimedia Commons

Obwohl es weder Silber noch anderes Edelmetall gab, war damit der Ursprung sowohl des Namens Río de la Plata als auch Argentiniens gelegt.

Die Reise Cabots, der am Ufer des Paraná die Festung Sancti Spiritu gegründet hatte, war ein völliger Misserfolg: Kostbarkeiten wurden nicht gefunden, Sancti Spiritu wurde von der einheimischen Bevölkerung niedergebrannt, Cabots Offiziere meuterten ob dessen seemännischer Unfähigkeit und wurden auf der Insel Santa Catalina ausgesetzt bevor die Übrigen mit leeren Händen nach Europa zurückkehrten.

Angriff der Indigenen auf Buenos Aires, Argentinien

Angriff der Indigenen auf Buenos Aires (Illustration des aus Straubing stammenden Ulrich Schmidl, der als Landsknecht an Mendozas Expedition teilnahm und seine Erfahrungen als „Wahrhafftige Historien einer wunderbaren Schiffahrt“ 1567 niederschrieb. Damit wurde er gemeinsam mit Álvar Núñez Cabeza de Vaca zum ersten Geschichtsschreiber Argentiniens.)

Auch Pedro de Mendoza, dem „Conquistador“ aus Almería, war bei seinen Unternehmungen in Südamerika kein Glück beschieden. Zwar gründete er 1536 mit Santa María de los Buenos Aires die erste argentinische Stadt, doch die Siedlung stand unter keinem guten Stern. Die Eroberer kamen erst Ende des Sommers an, so dass es für einen eigenen Anbau zu spät war. Daher zwangen sie die Einheimischen Pampa und Querandí, die Kolonisten mit Lebensmitteln zu versorgen, was diese zunehmend feindselig gegenüber den Fremdem stimmte.

Hunger, Elend und ständige Attacken zermürbten und dezimierten die Einwohner (Bild: US 2257.154*, Houghton Library, Harvard University [Public domain], via Wikimedia Commons)

Als Juan de Garay im Jahr 1580 Buenos Aires zum zweiten Mal gründete, war die erste Siedlung längst entvölkert.

Mendoza war bereits im April 1537 krank wieder Richtung Spanien abgereist, starb jedoch nahe den Kanarischen Inseln auf hoher See (vermutlich an Syphilis).

Völlig erfolglos und mit großen Verlusten verbunden verliefen die spanischen Versuche, das heute als Patagonien bekannte Territorium im Süden des Kontinents unter die Kontrolle der Kolonialmacht zu bringen. Die indigene Bevölkerung und insbesondere die in und von Chile aus agierenden Mapuche leisteten heftigen Widerstand und zwangen Spanien 1641 im Vertrag von Quillín, die Mapuche als unabhängige Nation anzuerkennen, deren Hoheitsgebiet südlich des Río Bío Bío begann.

Im Laufe der nahezu drei Jahrhunderte andauernden Kolonialzeit gehörte das spätere argentinische Territorium verschiedenen Verwaltungseinheiten an:

Auf das Gouvernement Neu-Andalusien (1524-1542) folgten das Gouvernement des Río de la Plata (1549-1776), das bis 1661 unter der Aufsicht der Real Audiencia von Lima im Vizekönigreich Peru stand, bis die erste Royal Audiencia of Buenos Aires (1661-1671) geschaffen wurde. Bis zur Unabhängigkeit Argentiniens stand im Südteil das Vizekönigreich des Río de la Plata (1776-1814) unter der Regierungsaufsicht der zweiten Königlichen Audiencia von Buenos Aires (1783-1810) und der Nordteil unterstand der Real Audiencia von Charcas.