Hintergrund
Die neoliberale Wirtschaftspolitik der 80er Jahre und die Globalisierungsprozesse der 90er Jahre haben ein Honduras hervorgebracht, das als neo-feudale Gesellschaft ins 21.Jahrhundert eintritt.
Ausländisches Kapital kontrolliert 80 Prozent der Wirtschaft, ausländische Konzerne verfügen über die Hälfte der gesamten landwirtschaftlichen Anbauflächen. Weitere 25 Prozent sind in der Hand weniger mächtiger Viehzüchter. Die neue Industrie der „Maquilas“, in Freihandelszonen angesiedelte Billiglohn-Textilfabriken, denen es gestattet ist, Rohmaterialien zollfrei einzuführen, sofern die daraus hergestellten Waren wieder exportiert werden, trägt ebenfalls dazu bei, dass viele Honduraner für transnationale Firmen oder die kleine Elite der Landbesitzer arbeiten. Diejenigen, die als kleine Bauern zu überleben suchen, können von der geringen und wenig ertragreichen Anbaufläche meist nicht einmal ihre Familie ernähren. Horrende Arbeitslosigkeit zwischen 35 und 50 Prozent, eine Analphabetenrate von annähernd 50 Prozent und ein Mindestlohn von 1000 US Dollar jährlich, den bei weitem nicht alle erreichen, sind Faktoren, die dazu beitragen, dass Honduras in der UN- Statistik in der westlichen Hemisphäre nur noch Haiti und Nicaragua hinter sich lässt.
In dieser Situation erschien der Wirbelsturm Mitch, der Ende Oktober 1998 über Honduras und dessen Nachbarländer hereinbrach, geradezu als Apokalypse.
![By NOAA / Satellite and Information Service [Public domain], via Wikimedia Commons](http://neue-welt-reisen.de/wp-content/uploads/2016/06/Hurricane_Mitch-210x130.jpg)
Hurrikan Mitch zum Zeitpunkt seiner stärksten Intensität, By NOAA / Satellite and Information Service [Public domain], via Wikimedia Commons
Der damalige honduranische Präsident, Carlos Roberto Flores, zog im Januar 1999 die Bilanz: „Wir haben binnen 72 Stunden alles verloren, was wir uns in mehr als 50 Jahren, Stück für Stück, aufgebaut haben.“
Unter dem Ausmaß der Naturkatastrophe brach die Logistik der großen, weltweit operierenden Hilfsorganisationen streckenweise zusammen. In denkbar kurzer Zeit hatten die großen und kleinen Nachbarn, allen voran Mexiko, die USA und Kanada, Hilfsgüter und Notfallausrüstungen aller Art bereitgestellt. Die weltweite Unterstützung, auch die der Regierung und der Bevölkerung der Bundesrepublik, waren enorm. Unmittelbar nach der Katastrophe gestaltete sich die Verteilung von Trinkwasser, medizinischer Hilfe, Lebensmitteln und technischen Hilfsgütern wie Behelfsbrücken problematisch.
Wie viele Menschen durch Mitch in den betroffenen Ländern ums Leben gekommen sind, wird letztlich niemand entgültig beantworten können.